Interviews - Der Sinn von Mezzanin-Finanzierungen

Aus Grabherr.at

Erschienen in: OPTION, November 2001

MEZZANIN - Hybride Finanzierung

"Die Mezzanin-Finanzierung ist eine Kombination zwischen Eigen- und Fremdkapital."
--Oliver Grabherr

Die Finanzierung von Wachstumsunternehmen steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Was bedeutet „Mezzanin-Kapital“ und wozu dient es?

Oliver Grabherr: Der Begriff „Mezzanin“ bezeichnet ein Zwischengeschoß in der Architektur. Daraus abgeleitet hat sich auch der Begriff Mezzanin in der Welt der Finanzen durchgesetzt. MezzaninKapital liegt als hybrides Finanzierungs instrument nämlich zwischen dem Eigen- und dem Fremdkapital. Ziel der Finanzierungen ist es, österreichischen Unternehmen unbesichertes Kapital in Form nachrangiger Darlehen mit Eigenkapitalcharakter als Ergänzung von Venture-Capital und Private Equity zur Verfügung zu stellen.

Was ist der Unterschied zwischen Mezzanin-Kapital und Private Equity?

Oliver Grabherr: Private-Equity-Gesellschaften beteiligen sich mit direktem Eigenkapital an einem Unternehmen. Sie nehmen dadurch die Stellung eines Mit-Unternehmers ein. Invest Mezzanin finanziert hingegen Unternehmen mit Fremdkapitalinstrumenten, mit denen das Recht auf eine spätere Wandlung in Geschäftsanteile oder auch Aktien verbunden ist.

Welche Finanzierungsformen kommen nun konkret zum Einsatz?

Oliver Grabherr: Bei Wandeldarlehen beziehungsweise -anleihen kann der Darlehensgeber beziehungsweise -schuldner zwischen einer Tilgung des Darlehens oder der Anleihe und einer Wandlung in Geschäftsanteile wählen. Außerdem können Vorzugsaktien gezeichnet, stille Beteiligungen eingegangen oder Genussrechte an dem Unternehmen erworben werden.

VENTURE-CAPITAL - Solide Unternehmen gefragt

"Mezzanin-Kapital ist eine Wachstumsfinanzierung für mittelständische Unternehmen."
--Wilfried Stadler

Mezzanin-Kapital ist in Österreich nahezu unbekannt. Für welche Unternehmen ist Mezzanin-Kapital dennoch interessant?

Wilfried Stadler: Eine Zielgruppe sind solide mittelständische Unternehmen, die regelmäßige Gewinne machen und nun einen nächsten Wachstumsschritt wagen, der weder durch eine reine Innenfinanzierung noch durch Fremdkapital allein sicher gestellt werden kann. Reine Start-ups oder technologieorientierte Unternehmen, die zwar ein schnelles Wachstum, jedoch keine Gewinne vorweisen können, sind für Mezzanin-Finanzierungen ungeeignet.

In welchen Situationen kommt Mezzanin-Kapital zum Einsatz?

Wilfried Stadler: Mezzanin-Kapital kann als Nachrang-Kapital typischerweise Management-Buy-outs (MBOs) oder -ins (MBIs) finanzieren. Dadurch lassen sich auch Nachfolgeprobleme bei Familienunternehmen lösen. Ein weiterer Anwendungsbereich ist die Finanzierung von größeren Expansionen oder von Übernahmen. Außerdem kann auch der Börsegang finanziert werden. Bei der aktuellen Börsensituation fehlt hier aber zurzeit die Exit-Möglichkeit.

Wie wird sich ihrer Meinung nach diese Finanzierungsart in Österreich entwickeln? Gehen Sie davon aus, dass jetzt viele Banken Mezzanin-Töchter gründen werden?

Wilfried Stadler: Nein, ich glaube, dass die MezzaninFinanzierung nach wie vor ein Nischen-produkt bleiben wird. Ich rechne eher damit, dass zunehmend Investoren aus der Eeuropäischen Union – besonders aus Großbritannien, wo MezzaninKapital schon eine längere Tradition hat –auch in Österreich aktiv werden.


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